Old Mary’s Pub — der ältes­te Pub in Kon­stanz

Englisch & Italienischer Pub im Herzen von Konstanz

Old Mary’s Pub — der ältes­te Pub in Kon­stanz

Die Knei­pen­tour geht in ein neu­es Jahr, und bringt euch wei­ter alle Geschich­ten über die Bar- und Gastro­sze­ne in Kon­stanz mit. Ihr könnt uns glau­ben, sovie­le Geschich­ten wie es da zu erzäh­len gibt, hät­ten wir selbst nie und nim­mer erwar­tet :). Mal gucken, wie viel von dem, was wir hier in den nächs­ten Mona­ten schrei­ben, ihr gedacht hät­tet :). Falls ihr mehr über unse­re Akti­on (Die­se Knei­pen­tour ist bei­lei­be kei­ne nor­ma­le Knei­pen­tour und für jung und alt glei­cher­ma­ßen geeig­net) wis­sen wollt und es noch nicht kennt, schaut euch ein­fach mal hier auf der Web­site um :). Unser Heft ist nicht-kom­mer­zi­ell und soll euch dazu bewe­gen, mal wie­der raus­zu­kom­men! Die Akti­on läuft bis zum 1.Juli.

Als Ers­tes in die­sem Jahr wol­len wir euch ein ech­tes Urge­stein vor­stel­len: Das Old Mary’s English/Irish Pub mit dem mög­li­cher­wei­se lie­bens­wer­tes­ten Wir­te-Paar in Kon­stanz: Anne und Lui­gi Pesa­ro. 1980 eröff­net, war einer der ers­ten Stamm­gäs­te ein Stu­dent mit der Matri­kel­num­mer 16 — heu­te sind wir bei über 800.000 ange­langt. Oben seht ihr die bei­den voll in Form und Far­be :). Zwei äußerst sym­pa­thi­sche, lebens­lus­ti­ge Men­schen, so haben wir sie im Inter­view ken­nen­ge­lernt. Aber wuss­tet ihr, dass Anne einen Sum­ma Cum Lau­de Dok­tor in Bio­che­mie hat? Und das Lui­gi durch völ­li­gen Zufall in Kon­stanz gelan­det ist? Lest selbst.…

Moni­ka Her­manutz (lang­jäh­ri­ge Bedie­nung) und Lui­gi Pesa­ro 1988
Die uri­ge The­ke im Old Mary’s
Weit gereist

Lui­gi, ein wasch­ech­ter Ita­lie­ner, gebo­ren am Lago Mag­gio­re, woll­te ursprüng­lich in Ita­li­en nicht zum Mili­tär. Die ein­zi­ge Alter­na­ti­ve hieß: Aus­wan­dern. Kur­zer­hand und nahe­zu nur mit sei­ner Ves­pa bewaff­net — wie könn­te es anders sein — ver­ließ er den Stie­fel und mach­te sich auf den Weg nach Hol­land, immer in ver­schie­de­nen Bars und Loka­li­tä­ten in der Gas­tro­no­mie arbei­tend. So war das natür­lich nicht geplant gewe­sen: Lui­gi ist ein echt selbst­ge­lern­ter Wirt, eine Aus­bil­dung wäre unter den dama­li­gen Umstän­den kaum mög­lich gewe­sen. Auch durf­te er durch die Ver­wei­ge­rung der Wehr­pflicht rund 10 Jah­re nicht nach Ita­li­en zurück­keh­ren. Was laut ihm übri­gens damals schon genau­so gut ging wie heu­te: Mit Spa­ghet­ti & Piz­za die Mädels von sich über­zeu­gen ;).

Über Hol­land ging es schließ­lich nach Schwe­den, wo Lui­gi — der unter ande­rem Ren­tie­re file­tier­te — nach eini­ger Zeit aller­dings das Geld aus­ging. Heut­zu­ta­ge unvor­stell­bar, wur­de damals vom Land recht ein­fach reagiert: Lui­gi wur­de ein Zug­ti­cket nach Ham­burg ange­bo­ten, wenn er für min­des­tens drei Jah­re nicht zurück­kehrt. Schon das zwei­te Land mit Ein­rei­se­ver­bot also ;). Kur­zer­hand nahm er das Ange­bot und sah sich auch schon im Zug nach Ham­burg sit­zen, von wo er — eine kur­ze Epi­so­de spä­ter — nach Wup­per­tal wei­ter­zog.

 

Der ers­te Wirt der Arche

Kennt ihr die Schwe­be­bahn in Wup­per­tal? Direkt dane­ben hat Lui­gi gewohnt, aller­dings genau in einer Kur­ve. Nach­dem die Bahn (die im Moment übri­gens auch schon wie­der seit einem Jahr nicht fährt) damals trotz allem noch nicht so fort­schritt­lich war wie heu­te, quietsch­te sie in eini­gen Kur­ven extrem laut. Und ja, natür­lich, Lui­gi wohn­te direkt dane­ben, in einer rich­tig klei­nen Woh­nung. Falls jemand von euch den Film Blues Bro­thers kennt — das Bild des Hotel­zim­mers könnt ihr vor Augen haben!

Wup­per­tal hielt Lui­gi für vier Jah­re fest, bis zur Stahl­kri­se 1975. Da der Umsatz im Ruhr­ge­biet immer mehr zurück ging, folg­te Lui­gi sei­nem dama­li­gen Chef in eine tou­ris­ten­rei­che­re Regi­on: Dem Boden­see. Dort eröff­ne­te er nach dem Tod sei­nes Chefs zunächst für eini­ge Jah­re den Grill Room in der Bahn­hof­stra­ße. Es gab die ers­ten Ham­bur­ger in Kon­stanz, und auch die ers­te Piz­za! Ver­rückt, oder? Inzwi­schen ist im glei­chen Gebäu­de die Khi-Bar.  Spä­ter über­nahm er als ers­ter Päch­ter die Arche in der Uni­ver­si­tät, in der heu­te das chi­ne­si­sche All-you-can-eat unter­ge­bracht ist. Vor­her wur­de aber bereits das Old Mary’s gegrün­det, bei­de lie­fen dann eine Wei­le zeit­gleich. Dazwi­schen war Lui­gi auch noch im Bel‘Etage (jetzt K9) und im Pap­pil­lon (jetzt Lau­ge­le). Auf sei­ne diver­sen Jobs ange­spro­chen, lacht Lui­gi und ant­wor­tet: “Ah, ich bin immer irgend­wo ein­ge­sprun­gen, ich habe immer gemacht, was Spaß macht!”

Kon­zert Man­fred Jun­ker Patrick Man­zec­chi Andre­as Metz­ler im Jahr 2009
Unser Gut­schein im Old Mary’s — Dün­nele oder Piz­za
Dok­tor in Bio­che­mie

Anne ist nicht ganz so weit gereist: Ursprüng­lich aus Offen­burg, ist sie zum Stu­di­um nach Kon­stanz gekom­men, und hat dort sowohl Diplom als auch Dok­tor äußerst erfolg­reich been­det. Es kam, wie es kom­men muss­te: In ihren letz­ten Jah­ren der Pro­mo­ti­on hat sie Lui­gi in der Uni ken­nen­ge­lernt, nach­dem die­ser dort ja gera­de am arbei­ten war. Der Schwie­ger­va­ter, ech­ter Ita­li­en-Fan, war natür­lich erst recht begeis­tert, als Lui­gi ihn zum ers­ten Mal auf eine Rund­fahrt durch Ita­li­en mit­ge­nom­men hat :).

Nach­dem Anne nicht so rich­tig moti­viert war, in die Indus­trie zu wech­seln, und auch wei­ter­hin befris­te­te Ver­trä­ge in der Wis­sen­schaft (Ist auch bei Dok­to­ren so, ich spre­che aus eige­ner Erfah­rung 😉 ) kei­ne wirk­li­che Opti­on waren, kam natür­lich nur eine Idee in Fra­ge: Der ers­te eng­lisch Pub in Kon­stanz. Das Old Mary’s. Gui­ness hat­te damals zum ers­ten Mal den euro­päi­schen Markt für sich ent­deckt und bereit­wil­lig die Grün­dung von Pubs unter­stützt — das Old Mary’s war damit übri­gens auch der ers­te Ort in Kon­stanz, an dem man Gui­ness trin­ken konn­te. Ver­rückt, oder? Inzwi­schen gibt es ver­mut­lich kaum noch jemand in Deutsch­land, der es nicht kennt.

Eis & Dün­nele

Zum Abschluss noch wis­sens­wert: Anne stellt unglaub­lich lecke­res und wirk­lich haus­ge­mach­tes, aus ech­ten Zuta­ten her­ge­stell­tes Eis im Kel­ler vom Old Mary’s her. Sie bie­tet außer­dem auch Eis-Work­shops an, bei denen natür­lich so viel Eis wie mög­lich geges­sen wer­den kann :D. Kla­re Emp­feh­lung! Wir haben es selbst aus­pro­biert ;). Fragt ein­fach im Laden nach oder schreibt Ihnen über Face­book!

Unser Gut­schein fürs Old Mary’s ist ein Dün­nele oder eine Piz­za for free: Dün­nele, die badi­sche Ver­si­on eines Flamm­ku­chens, haben Anne und Lui­gi wie­der auf­le­ben las­sen. Auch das eine kla­re Emp­feh­lung!

Das Old Mary’s ist ein uri­ger Ort, aus­ge­stat­tet mit diver­sen Ele­men­ten von vieeeee­len Floh­markt­be­su­chen. Man kann wirk­lich sehen, wie­viel Lie­be und Pro­fes­sio­na­li­tät über die Jah­re in die Loca­ti­on geflos­sen ist, und mit wie­viel Herz­blut im und am Pub gear­bei­tet wird. Natür­lich gibt es noch viel mehr Geschich­ten zu erzäh­len, aber ein biss­chen müs­sen wir ja für die nächs­ten Jah­re noch auf­spa­ren ;). Wir kön­nen nur sagen:

So schön, euch bei der Knei­pen­tour dabei zu haben! Macht wei­ter so, und bleibt genau­so authen­tisch wie ihr seid :).

 

Unser nächs­tes Inter­view, das wir hier vor­stel­len, geht in eine ganz ande­re Rich­tung: Dann erzäh­len wir ein biss­chen was Mar­tin und sei­ner Bier­bou­tique.

Bis dahin!

Jule und Rebec­ca mit Anelu Eis, das Anne im Kel­ler vom Old Mary’s her­stellt